Auswandern – so nicht!

Für viele Menschen ist die Entscheidung, in ein anderes Land auszuwandern, die beste ihres Lebens. Es gibt viele gute Gründe, aus denen es Sinn macht, seine Heimat hinter sich zu lassen und in der Ferne sein Glück neu zu versuchen. Dennoch ist „Auswandern!“ leichter gesagt als getan und man sollte es tunlichst vermeiden, sich allzu leichtfertig auf dieses Abenteuer einzulassen. Viele Tücken und Stolpersteine können den Versuch, in einem fremden Land seine neue Heimat zu finden, schnell zum Horrortrip werden lassen. Denn so viele gute Gründe es fürs auswandern gibt, gibt es auch schlechte.
Der schlimmste Fehler, den immer wieder Menschen machen, ist es zu glauben, dass in der Ferne alles leichter wird. Nutzen Sie das Auswandern bloß nicht, um vor Problemen wegzulaufen, die gar nicht mit Ihrem ursprünglichen Heimatland verankert sind. Wenn Sie zu Hause ärger mit Ihrem Chef haben, weil Sie häufig zu spät kommen oder Ihre Arbeit nachlässig verrichten, dann seien Sie sicher, dass auch Ihr neuer Chef in Ihrer neuen Heimat von Ihnen nicht lange begeistert sein wird.

Machen Sie sich außerdem keine unrealistisch positiven Vorstellungen von ihrer potentiellen neuen Heimat. Nur weil das Klima wärmer ist, wird auch in der Ferne nicht immer alles eitel Sonnenschein sein. Deutsche Genauigkeit und pedantische Beamte können einem zweifelsohne den letzten Nerv rauben, aber machen Sie sich klar, dass auch eine lockere Einstellung in solchen Dingen Nachteile mit sich bringt – ganz besonders wenn man fremd in einem Land ist und vieles geregelt und geklärt werden muss und man auf einen zuverlässigen Sachbearbeiter angewiesen ist. Machen Sie sich auch mit den Gepflogenheiten des Landes vertraut und denken Sie bloß nicht, dass sie nach drei Wochen Urlaub wissen, wie Land und Leute ticken. Wer auswandert, verliert den Besucher-Bonus ganz schnell und man wird über kurz oder lang von Ihnen erwarten, dass Sie sich angemessen und nicht wie ein Tourist verhalten.

Unterschätzen Sie auch Sprachbarrieren nicht! Natürlich kann man jede Sprache lernen, gerade wenn man vor Ort ist. Aber alles braucht Zeit und die werden Sie unter Umständen nicht haben. Überlegen Sie sich zum Beispiel unbedingt rechtzeitig, als was und wo sie arbeiten wollen und informieren Sie sich, ob ihre Sprachkenntnisse dafür ausreichen. Muten Sie vor allem auch ihren Kindern nicht zu viel zu! Wer kurz vor dem Abitur steht, kann ganz sicher nicht einfach in dieser Klasse in einer fremden Sprache, die er schlimmstenfalls kaum beherrscht, weitermachen. Es macht also durchaus Sinn, sich gründlich vorzubereiten und evtl. schon einige Zeit vor der Auswanderung seine Sprachkenntnisse z.B. im Rahmen einer Sprachreise zu verbessern.
Spielen Sie alle Aspekte ihres Vorhabens sehr genau durch. „Wir werden es dann vor Ort schon sehen!“ klingt zwar ganz schön, wird Ihnen aber höchstwahrscheinlich viel Ärger einbringen. Gehen Sie alltägliche Situationen durch, auch solche die zu Hause völlig unproblematisch waren. Was passiert, wenn sie krank werden? Was, wenn sie keine Wohnung finden? Sind ihre beruflichen Perspektiven realistisch? Überlegen Sie ganz genau, weshalb Sie sich für einen so großen Schritt entscheiden wollen und seien Sie ehrlich genug mit sich selbst, um entscheiden zu können, ob es die richtigen Gründe sind.

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